Experteninterview: Leben und arbeiten im Van
Alles rund ums Vanlife
Anja ist die Gründerin von CAMP & WORK, einem Portal für mobiles Leben und Arbeiten im Camper. Seit 2017 lebt und arbeitet sie in ihrem Van und bietet auf ihrer Webseite Inspiration und Wissen rund um diesen Lebensstil. Wir haben mit ihr gesprochen.
Lesezeit: 10 Minuten
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[wpcode id="694" content_wrapper="" replacement_target=""]Leben und arbeiten im Van: wir sprechen mit einer Expertin
Leben und arbeiten im Van – für viele klingt das nach grenzenloser Freiheit. Raus aus dem Büro und rein ins Abenteuer. Doch wie ist es wirklich, wenn der eigene Campervan gleichzeitig Wohn- und Arbeitsplatz ist und sich der Alltag auf wenigen Quadratmetern abspielt?
Für diesen Beitrag haben wir mit Anja von Camp & Work gesprochen, die genau diesen Schritt gewagt hat und seit einigen Jahren dauerhaft in ihrem Van lebt. Im Interview berichtet sie uns von ihrem Alltag, den täglichen Herausforderungen beim Vanlife und gibt Tipps für alle, die dieses Abenteuer auch wagen wollen.
Was muss ich im Vorfeld beachten, wenn ich dauerhaft im Van leben will?
Wenn man dauerhaft im Wohnmobil leben möchte, bleibt es nicht aus, dass man sich im Vorfeld gut mit den rechtlichen und organisatorischen Grundlagen eines solchen Vorhabens beschäftigt. Für viele ist das ohnehin ein längerer Prozess der Vorbereitung auf eine Auszeit oder sogar einen Umzug. Und dieser wirft nach und nach jede Menge Fragen auf. Auf einige wesentliche Aspekte möchte ich hier gern eingehen.

In erster Linie kommt es darauf an, ob man weiterhin eine Wohnung oder ein Haus hat oder mietet und hier immer wieder zurückkehrt, oder ob man dies alles aufgibt und dauerhaft unterwegs sein möchte.
Im ersteren Fall bleibt Vieles einfacher, man hat eine Meldeadresse und – wenn man öfter an dieser ist – muss man sich um Dinge wie die 183-Tage-Regel keine Gedanken machen. Diese besagt übrigens im Kontext des Steuerrechts, dass man dort als steuerlich ansässig gilt und sein Einkommen versteuern muss, wo man sich mehr als 183 Tage im Jahr aufhält.
Da man mit dem Van wahrscheinlich oft die Länder wechselt, mag das hinsichtlich Steuerfreiheit sehr attraktiv klingen, allerdings spielen hier weitere Kriterien wie beispielsweise persönliche und wirtschaftliche Beziehungen ebenfalls eine Rolle. Hier kann ich empfehlen, sich sehr genau zu informieren, egal, ob man angestellt oder selbstständig ist.
Hat man keine eigene Wohnung mehr, möchte aber weiterhin eine Meldeadresse nutzen, ist es ratsam, diese dort zu haben, wo man sich tatsächlich auch immer wieder aufhält und möglichst auch eigene Räumlichkeiten zur Verfügung hat. Einige Camper nutzen auch Campingplätze, auf denen eine Anmeldung möglich ist, aber das funktioniert leider nur an wenigen Orten.
Dieser Beitrag gibt dir einen kompakten Überblick zum Thema Vanlife.
Welche Versicherungen brauche ich?
Beim Thema Versicherung sollte man einerseits auf eine sehr gute Absicherung des Fahrzeugs achten – es ist schließlich das rollende Zuhause und Büro. Die Versicherung sollte nicht nur die Haftpflicht-, Vollkasko-Versicherung und einen umfassenden Schutzbrief umfassen, sondern auch eine Camperinhaltsversicherung. Schließlich möchte man auch seine Arbeitsgeräte wie Laptop oder Kamera gut abgesichert wissen. In diesem Beitrag haben wir dir sinnvolle Versicherungen für Camper zusammengestellt.
Andererseits ist die richtige Krankenversicherung eines der wichtigsten Themen, um die man sich wirklich gut kümmern sollte. Eine einfache Auslandsreisekrankenversicherung ist meist nicht ausreichend, es sei denn, man befindet sich nur auf Urlaubsreise und arbeitet nicht im Ausland.
Beim Arbeiten im Ausland (EU) wiederum ist nicht nur für Angestellte das Thema Entsendung (A1-Bescheinigung) zu beachten, auch Selbstständige – sofern freiwillig gesetzlich versichert – müssen diese bei ihrer Krankenkasse für jeden Aufenthalt im Ausland beantragen, wenn sie von dort aus arbeiten. Ich weiß, das klingt bürokratisch – ist aber wirklich wichtig, um später keine Probleme zu bekommen.
Was ist noch wichtig?
Ein weiterer Punkt: Organisation im Vorfeld. Ich empfehle, alles, was mit Behörden, Steuer oder Post zu tun hat, möglichst zu digitalisieren. Das spart unglaublich viel Zeit und Stauraum.
Viele nutzen Online-Postservices, ich darf dafür meine Mama und meinen Bruder bemühen und nutze auch meine Geschäftsadresse, bei der zu den üblichen Geschäftszeiten immer jemand anwesend ist und meine Post entgegennehmen und bei Bedarf öffnen kann.
Je nach Fahrzeug, Ausstattung und Reiseverhalten sollte man sich im Vorfeld auch mit den Themen
- Stellplätze
- Kosten
- Strombedarf
- Internet
- Sicherheit
- Ver- und Entsorgung
- ggf. Gasversorgung
- ergonomisches Arbeiten
und weiteren Themen beschäftigen.
Reist man mit schulpflichtigen Kindern, ist der organisatorische Aufwand nicht nur bei der Vorbereitung, sondern auch unterwegs noch einmal um einiges höher. Hier sind Themen wie Schulbeurlaubung oder Abmelden sowie Freilernen oder Fernunterricht relevant.
Wie wird mein Wohnmobil ein richtiges Zuhause?
Ein richtiges Zuhause auf Rädern sieht für jede und jeden anders aus. Manche lieben es gemütlich mit ganz viel Deko, Lichterketten und persönlichen Erinnerungsstücken, andere mögen es eher schlicht und funktional. Da gibt es kein richtig oder falsch – entscheidend ist, dass man sich in seinem Fahrzeug wirklich wohlfühlt und es zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Ich hatte im Laufe der Jahre einige sehr unterschiedliche Fahrzeuge – vom Alkoven-Wohnmobil über Minicamper bis hin zum Selbstausbau-Kastenwagen – und habe dadurch gut herausgefunden, was ich wirklich brauche. Für mich bedeutet „Zuhause“ heute vor allem: eigene Toilette, Dusche, Stehhöhe und ein Minimum an Bewegungsfreiheit. In den Minicampern war ich – so frei ich mich draußen auch gefühlt habe – im Alltag immer wieder eingeschränkt, weil ich auf fremde Infrastruktur angewiesen war. Diese Abhängigkeit möchte ich heute nicht mehr. Für mich gehört das genauso zur Autarkie wie das Thema Strom oder ausreichend Frischwasser und Abwasservolumen.
Hinsichtlich Toilette finde ich meine Trockentrenntoilette aktuell perfekt und möchte sie nicht mehr missen – sie ist super praktisch und meistens einfach zu entsorgen. Trotzdem kann ich mir vorstellen, irgendwann einmal auf eine Komposttoilette umzusteigen, einfach weil das System noch etwas nachhaltiger ist und mich noch unabhängiger macht.
Eine große Auswahl an Campingtoiletten gibt es im Fritz Berger Online Shop.
Welche Stromversorgung hast du in deinem Van?
Auf dem Dach meines Campers befinden sich Solarpaneele (400 Watt), dazu habe ich eine 120-Ah-Lithiumbatterie, einen Ladebooster, um während der Fahrt zu laden, und einen Wechselrichter, mit dem ich 230-Volt-Geräte wie meinen Laptop betreiben kann. Auch ein Kühlschrank gehört für mich absolut dazu, und ich liebe mein Gefrierfach – nicht nur praktisch, sondern durchaus auch ein Stück Lebensqualität unterwegs.
In diesem Beitrag stellen wir die besten Berger-Batterien vor. Außerdem findest du in diesem Beitrag alles dazu, wie du autark mit dem Wohnmobil unterwegs bist.
In unserem Online Shop findest du eine große Auswahl an Artikeln rund um die Stromversorgung.
Hast du besondere Sicherheitsvorkehrungen an deinem Van?
Beim Thema Sicherheit gibt es ganz unterschiedliche Ansätze. Ich selbst habe bisher nur wenig nachgerüstet, weil ich mich unterwegs in den meisten Situationen wohl und sicher fühle. Trotzdem weiß ich inzwischen, wie wichtig ein paar grundlegende Maßnahmen sind – sei es durch Zusatzschlösser, Gasmelder oder GPS-Tracker. Vieles hängt natürlich vom eigenen Sicherheitsgefühl und den Orten ab, an denen man unterwegs ist. Nach einem – zum Glück harmlosen – Vorfall habe ich aber gemerkt, dass selbst kleine (und für die meisten selbstverständliche) Dinge wie das konsequente Abschließen des Fahrzeugs einen großen Unterschied machen können. Oft geht es gar nicht darum, absolute Sicherheit zu schaffen, sondern darum, Gelegenheiten zu vermeiden und es potenziellen Dieben einfach schwerer zu machen.
Hier findest du Produkte für deine Sicherheit im Fritz Berger Online Shop.
Was brauche ich, wenn ich im Camper auch arbeiten will?
Was man für das Arbeiten unterwegs braucht, ist in erster Linie eine gute technische Basis: eine ausreichende Stromversorgung, gute Hardware und entsprechend mobile Daten für stabiles Internet und einen Arbeitsplatz, an dem man konzentriert und ergonomisch arbeiten kann. Ich selbst nutze einen Router mit Dachantennen, eine Lithiumbatterie, Solarpaneele auf dem Dach, einen Wechselrichter sowie einen Ladebooster, um auch während der Fahrt die Aufbaubatterie laden zu können. Damit kann ich unabhängig arbeiten – egal ob auf einem Stellplatz am See oder unterwegs mal auf einem Parkplatz.
Sehr relevant ist natürlich das Thema Internet: Ohne stabiles Netz wäre mein Arbeitsalltag kaum möglich. Ich nutze einen Router mit zwei externen Antennen, die fest auf dem Dach montiert sind. Im Router steckt eine Datenkarte, mit der ich in vielen europäischen Ländern, aber z. B. auch in der Türkei oder den USA eine Flatrate habe. Das funktioniert zuverlässig und spart mir einiges an Zeit. Zeit, die ich früher mit der Suche nach lokalen SIM-Karten verbracht hatte. Heutzutage ist in der Hinsicht Vieles mit Apps und eSIM möglich, was natürlich Zeit spart und in vielen Ländern auch wirklich günstig sein kann.
In diesem Beitrag erfährst du, wie den Internetempfang unterwegs optimierst.
Ein essenzieller Punkt, insbesondere hinsichtlich Arbeiten unterwegs, den viele anfangs vergessen: ein guter Arbeitsplatz. Wenn man dabei viel sitzt, sollte der Platz möglichst ergonomisch sein, also Tisch in der richtigen Höhe und eine gute Sitzposition bzw. überhaupt auch eine gute Sitzmöglichkeit. Rückenschmerzen sind unterwegs keine Seltenheit, da wir oft durchs Fahren und Arbeiten bereits sehr viel einfach nur sitzen. Dazu kommt (bei mir) eine gute, idealerweise dimmbare Beleuchtung, die das Arbeiten auch abends angenehm macht, oder mich für Meetings gut ausleuchtet.
Nicht mehr verzichten möchte ich auf meinen Laptopständer, externe Maus und Tastatur. Aufrüsten werde ich noch auf einen zweiten Bildschirm mit einer Halterung, die ich ggf. auch für Handy, mein Podcast-Mikrofon oder eine zusätzliche Beleuchtung nutzen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die eigene Struktur im Alltag. Unterwegs gibt es oft keine festen Arbeitszeiten, kein Büro und meistens auch keine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit – das klingt verlockend, kann aber schnell zur Herausforderung werden. Ich habe gelernt, mir bewusst Routinen zu schaffen, feste Arbeitsblöcke einzuplanen und mich selbst zu organisieren, auch wenn das Leben draußen gerade lockt. Disziplin bedeutet für mich dabei nicht, starr an einem Zeitplan festzuhalten, sondern die richtige Balance zwischen Arbeit und dem Vanlife-Alltag zu finden. Es gibt einfach immer wieder Tage, an denen das Leben dazwischenkommt – sei es ein schöner Ort, die Fahrt zum Waschsalon oder schlicht kein Internetempfang.
Welche Jobs eignen sich besonders gut, wenn ich von unterwegs aus arbeiten möchte?
Für mich persönlich war der Einstieg ins Arbeiten unterwegs vergleichsweise einfach. Ich hatte schon einen Job, den ich von überall aus machen konnte. Ich war viele Jahre als Übersetzerin tätig – und alles, was ich dafür brauchte, waren mein Laptop, Internet und einen Schreibtisch zum Arbeiten. Ich musste also keinen komplett neuen Beruf lernen oder mich umorientieren, sondern konnte mein bestehendes Business einfach in den Camper verlagern.
Viele andere, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe, standen dagegen erst einmal vor der Frage: Wie und womit kann ich unterwegs überhaupt Geld verdienen? Und die gute Nachricht ist – es gibt unzählige Möglichkeiten, mit einem mobilen Lebensstil ein Einkommen zu generieren.
In meiner CAMP & WORK Community lerne ich immer wieder Menschen kennen, die ihren ganz eigenen Weg gefunden haben.
- Da ist zum Beispiel Vroni, die mit Saisonjobs gestartet ist – im Sommer in einer Bar am See, im Winter an der Skiliftkasse – und sich parallel ein Onlinebusiness aufgebaut hat. So hat sie Schritt für Schritt den Übergang geschafft, ohne gleich alles auf eine Karte zu setzen.
- Katrin & Andre leben in einem großen LKW und reisen langsam durch Europa. Andre übernimmt handwerkliche Arbeiten vor Ort, oft an Häusern oder auf Farmen, also ganz klassische Projekte, die er unterwegs findet. Katrin hat sich parallel ein eigenes Onlinebusiness als Social Media Managerin aufgebaut. Sie betreut die Kanäle verschiedener Unternehmen und Selbstständiger, erstellt Inhalte, schreibt Texte und kümmert sich um deren Sichtbarkeit im Netz. Ihr Lebensmodell zeigt schön, dass ortsunabhängiges Arbeiten nicht zwangsläufig bedeutet, ausschließlich online zu arbeiten.
- Und dann ist da noch Uwe, der viele Jahre angestellt war und heute als Berater für Internetsicherheit und Online-Dozent arbeitet – komplett ortsunabhängig. Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit hatte er lange Zeit enormen Respekt, und genau deshalb hat er sich sehr gründlich vorbereitet. Er hat eine Gründungsberatung in Anspruch genommen, einen Businessplan erstellt und ein Unternehmercoaching gemacht. Diese sorgfältige Vorbereitung hat sich ausgezahlt – heute kann er seine Expertise flexibel einsetzen, eigene Projekte aufbauen und von überall aus arbeiten.
Diese drei Beispiele stehen stellvertretend für viele in der Community. Manche erstellen Websites, andere sind virtuelle Assistent:innen, Coaches, Designer:innen, Programmierer:innen oder Texter:innen. Es gibt digitale Jobs, bei denen man nur Laptop und Internet braucht, und es gibt analoge Tätigkeiten, die man einfach mobilisiert hat – wie Werkstatt- oder Camper-Services, Elektriker unterwegs oder handgemachte Produkte, die online verkauft werden.
Wie finde ich passende Stellplätze?
Ich nutze eine Mischung aus Apps, persönlichen Empfehlungen und mittlerweile auch unsere CAMP & WORK Community, in der ab und zu Tipps zu guten Plätzen geteilt werden. Eine dieser Apps ist Camping-App.eu, in der man viele legale Plätze findet, und auch eine Liste mit Plätzen, an denen man wunderbar Campen und Arbeiten miteinander verbinden kann, nämlich unsere CAMP & WORK Places. Für mich sind solche legalen Plätze am besten geeignet, weil ich dann kein ungutes Gefühl haben muss, sondern entspannt dort übernachten und auch arbeiten kann.
Worauf ich immer achte: Rechtliche Lage, Sicherheit und Umgebung. In Deutschland ist an vielen Plätzen das einmalige Übernachten erlaubt, um die Fahrtüchtigkeit wiederherzustellen – aber nicht, um zu „campen“. Das heißt, keine Stühle raus, keine Markise, nicht auf Keilen stehen und meistens ist der Aufenthalt auf zehn Stunden beschränkt und nur für die einmalige Wiederherstellung gedacht. In anderen Ländern ist es ähnlich, teilweise strenger geregelt, teilweise aber auch mit viel mehr Möglichkeiten zum legalen Übernachten.
Ein guter Stellplatz ist für mich ruhig, sicher, hat hervorragenden Netzempfang und bietet – je nach Jahreszeit – Schatten (im Sommer) oder eben auch möglichst kaum Bäume oder Ähnliches, damit ich meine Solarpaneele nutzen kann. Und wenn er dann sogar noch schön gelegen ist – am See, in den Bergen oder anderweitig mit viel Natur und wenig oder keinen anderen Campern um mich herum – ist das natürlich das absolute Sahnehäubchen.
In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du kostenlose Stellplätze für dein Wohnmobil findest.

Was begeistert dich daran, im Wohnmobil zu leben?
Ich lebe seit 2017 im Camper – und das hat mein Leben komplett verändert. Mich begeistern vor allem die Abwechslung – kein Tag ist wie der andere – und die Möglichkeit, dort zu sein, wo ich mich gerade wohlfühle. Ich habe zwar auch viele fixe Termine, aber häufig kann ich zwischendurch mein Umfeld an meine Projekte anpassen: Wenn ich Ruhe brauche, fahre ich in die Natur. Wenn ich Austausch suche, gehe ich auf ein Treffen, Event oder einfach dorthin, wo Familie, Freunde oder andere Camper sind.
Ich liebe es, morgens aus dem Fenster zu schauen und jedes Mal eine andere Aussicht zu haben. Diese ist nicht jeden Tag schön, aber der Vorteil des nomadischen Lebens ist ja, dass man dann weiterziehen kann. Ich liebe die Einfachheit, das bewusste Leben mit weniger Besitz und die Nähe zur Natur. Und ich liebe die Begegnungen – mit Menschen, die ähnlich denken und leben. Viele Zufallsbekanntschaften sind im Laufe der Jahre zu echten Freundschaften und spannenden Kooperationen geworden.
Was sind die Nachteile, wenn man dauerhaft im Camper lebt?
Aber so schön dieses Leben ist – es ist kein Dauerurlaub. Es gibt Tage, da ist Organisation alles. Wo bekomme ich Wasser her, wo kann ich entsorgen, wo waschen? Vor allem die Suche nach einem Waschsalon oder einer Waschmaschine kostet oft mehr Zeit, als man denkt. Viele Waschsalons liegen in Städten, wo das Parken mit einem größeren Fahrzeug zur Herausforderung wird.
Auch das Thema Internet ist nicht immer so entspannt, wie man es sich wünschen würde. Ich habe zwar eine gute Ausrüstung mit Dachantennen und Router, aber selbst das hilft nicht überall. Es gibt einfach Regionen, in denen der Empfang schwach ist – und wenn man dort gerade arbeiten möchte, kann das auch mal sehr nervig werden.
Strom im Winter ist ebenfalls ein Thema. Kurze Tage, wenig Sonne, kalte Temperaturen – da muss man gut haushalten oder auf andere Energiequellen ausweichen. Ich nutze dann öfter mal Landstrom oder fahre spätestens alle zwei Tage ein Stück. Eine Aufrüstung der Batterie ist aber bereits geplant, um auch bei schlechteren Wetterbedingen länger autark zu sein.
Ein weiterer Punkt: Stellplätze sind in den letzten Jahren deutlich voller geworden. Durch den Boom des Vanlife ist es schwieriger geworden, spontan einen ruhigen Platz zu finden. Es sind zwar auch viele private Stellplätze dazugekommen, was toll ist, aber insgesamt ist einfach viel mehr los. Manchmal fahre ich spät abends noch zu einem Platz, nur um festzustellen, dass er voll ist oder nicht passt – und dann heißt es: weiterfahren und weitersuchen.
Dazu kommt die Selbstorganisation, die man wirklich nicht unterschätzen sollte. Dinge, die in einer Wohnung selbstverständlich sind, brauchen unterwegs oft viel mehr Zeit. Einkaufen, Wäsche, Müllentsorgung – alles will geplant werden. Und trotzdem kommt es immer wieder anders, als man denkt.
Trotz allem überwiegt für mich das Positive ganz klar. Dieses Leben schenkt mir so viel Selbstbestimmtheit, Naturverbundenheit, Zeit für mich und Begegnungen, die ich in einem festen Alltag so nie erlebt hätte. Es ist manchmal anstrengend, oft unplanbar, aber immer echt – und genau das liebe ich daran.
Fazit: Mit guter Planung gelingt der Start ins Vollzeit-Vanlife
Vollzeit im Wohnmobil zu leben und zu arbeiten, will gut vorbereitet werden. Bevor es losgehen kann, muss einiges organisiert und vieles bedacht werden. Doch dann steht einem Leben on the road nichts mehr im Wege.
Vielen Dank für das Gespräch, Anja!
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