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© Fritz Berger

Behindertengerechter Campingurlaub

Barrierefreie Campingplätze und Wohnmobile

Eine Behinderung muss nicht den Verzicht auf Campingurlaub bedeuten. Barrierefreie Campingplätze und behindertengerechte Wohnmobile ermöglichen auch Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen unvergessliche Urlaubstage.


Inhaltsverzeichnis


Unterschiedliche Anforderungen je nach Art der Behinderung

Menschen mit Behinderung haben besondere Anforderungen an Campingplätze. Je nach Art der Behinderung können die Ansprüche unterschiedlich ausfallen. Während ein Camper mit Sehbehinderung auf Blindenschrift angewiesen ist, müssen die Zugänge zur Rezeption und den Sanitäranlagen für Rollstuhlfahrer ebenerdig angelegt sein.


Behindertengerecht, barrierefrei oder rollstuhlgerecht? Auf die Bezeichnung kommt es an

Badezimmer mit gefliesten Wänden, Waschbecken und Spiegel links, Duschkopf an der Wand, klappbarer Duschsitz und Haltegriffe an der Wand, kleiner Hocker auf dem Boden
Behindertengerechte Sanitäranlagen, wie hier im Camping Resort Zugspitze, erfüllen die Bedürfnisse körperlich beeinträchtigter Menschen. © Camping Resort Zugspitze (Perfect Camping)
Weiß gefliestes Badezimmer mit Duschkopf links, Glasabtrennung, Waschbecken mit Armatur, Spiegel und kleinem Fenster mit Blick auf Bäume und Gebäude
Ebenerdige Duschen und Haltegriffe am Waschbecken erleichtert den Aufenthalt im Bad. © Camping Resort Zugspitze (Perfect Camping)

Es gibt verschiedene Begriffe, mit denen Campingplätze auf spezielle Einrichtungen für Menschen mit Behinderung hinweisen. Ist ein Campingplatz oder ein Bestandteil der Anlage als barrierefrei gekennzeichnet, müssen bestimmte Anforderungen nach dem Behindertengleichstellungsgesetz erfüllt sein. Die Bezeichnungen rollstuhlgerecht oder behindertengerecht unterliegen dagegen keinen allgemein gültigen Kriterien.

Für einen behinderten Camper können folgende Ausstattungsmerkmale relevant sein:

  • Parkmöglichkeit direkt am Wohnwagen oder der Mietunterkunft
  • Hinweisschilder, Speisekarten etc. in Blindenschrift
  • Befestigte Wege ohne Stufen und andere Hindernisse
  • Barrierefreie Sanitäranlagen mit geräumigen Duschkabinen
  • Rampen oder Aufzüge
  • Lichtschalter und andere Bedienelemente, die sich vom Rollstuhl aus leicht erreichen lassen
  • Breite und automatisch öffnende Türen
  • Spezielle Schwimmhilfen in Poolanlagen oder Schwimmbädern

Kennzeichnungssystem „Reisen für alle“

Da einheitliche Qualitätskriterien fehlen, fällt Behinderten die Wahl eines geeigneten Campingplatzes schwer. Dieser Problematik nimmt sich die Organisation „Reisen für alle“ an. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt entwickelt bundesweite Qualitätsstandards für barrierefreie touristische Unterkünfte. Das eigens erarbeitete Kennzeichnungssystem ist gemeinsam mit Betroffenenverbänden und Beteiligten aus der Tourismusbranche entstanden.

Die von „Reisen für alle“ zertifizierten Unterkünfte werden von geschultem Personal besucht und begutachtet. Die Bewertungen basieren also nicht auf einer Selbstauskunft der Campingplätze. Außerdem muss mindestens ein Mitarbeitender des zertifizierten Beherbergungsbetriebs eine Schulung zum Thema Barrierefreiheit absolviert haben.

Wenn du deinen Urlaub auf einem barrierefreien Campingplatz verbringen möchtest, solltest du dich auch über die Infrastruktur in der Umgebung des Platzes erkundigen. Damit du beziehungsweise deine behinderte Reisebegleitung auch die umliegenden Orte erkunden könnt, sollten barrierefreie Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs in der Nähe des Campingplatzes liegen.

Alle von "Reisen für alle" zertifizierten Campingplätze lassen sich über eine Suchmaschine finden.


Wie finde ich einen behindertengerechten Campingplatz?

Im Internet finden sich mehrere Campingplatzverzeichnisse, die barrierefreie und behindertengerechte Campingplätze listen. Wie umfangreich der jeweilige Platz jedoch genau auf die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap eingerichtet ist, erfährst du meistens nur auf Nachfrage beim Campingplatz selbst.

Diese Verzeichnisse helfen bei der Suche nach einem barrierefreien Campingplatz:


Behindertengerechtes Camping im Camping Resort Zugspitze

Oftmals sind es die 5-Sterne-Campingplätze, die sich besonders auf die Bedürfnisse behinderter Camper einstellen. Denn diese Campingplätze bieten ohnehin umfangreiche Ausstattung und die Anlagen und Gebäude sind geräumig gestaltet.

Einer dieser behindertenfreundlichen Campingplätze ist das Camping Resort Zugspitze im oberbayerischen Grainau. Die großzügigen Parzellen sind ebenerdig und auf festem Untergrund angelegt. Die Sanitäranlagen, teils mit Privatbädern ausgestattet, bieten barrierefreie Dusche und behindertengerechte Toiletten sowie Waschbecken. 

Direkt gegenüber des Camping Resort Zugspietze befindet sich der zugehörige 3-Sterne-Campingplatz Camping Erlebnis Zugspitze. Dort gibt es sogar einen Fritz-Berger-Shop, der Camper mit allen notwendigen (Klein)teilen vor Ort versorgt.


Barrierefreie Wohnmobile und Wohnwagen

Nicht nur der Campingplatz, auch das Campingfahrzeug muss besondere Ansprüche erfüllen. So benötigen insbesondere Rollstuhlfahrer zum Einstieg eine besonders breite Aufbautüre in Kombination mit einer Rampe oder einem Lift. Auch eignet sich nicht jeder Grundriss für behindertengerechte Umbauten.

Es macht auch einen Unterschied, ob die behinderte Person das Fahrzeug fahren möchte oder als Mitfahrer verreist. Auch für ersteren Fall gibt es Lösungen.

Behindertengerechte Wohnmobile und Wagen gibt es nicht von der Stange. Es handelt sich fast immer um individuelle Umbauten, die spezifisch auf die Anforderungen des jeweiligen Campers ausgerichtet sind. Daher sind barrierefreie Campingfahrzeuge auch sehr teuer. Die Anschaffungskosten für ein barrierefreies Wohnmobil betragen oftmals 100.000 Euro und mehr. Diese Kosten muss der Camper selbst tragen – einen Zuschuss von der Krankenkasse gibt es nicht.

https://youtu.be/94K3GZ0Ord8

Ein Hersteller individuell ausgebauter Wohnmobile ist die Firma HRZ Reisemobile aus Bretzfeld. Nach eigenen Angaben macht die Produktion behindertengerechter Umbauten etwa 15 Prozent an der Gesamtproduktion des Unternehmens aus. 

HRZ Reisemobile bietet behindertengerechte Reisemobile auf Basis des Mercedes Sprinter an. Der Innenraum ist so gestaltet, dass Rollstuhlfahrer alle Bereiche wie Spülbecken, Kocher, Schubladen sowie Dusche und Toilette aus eigener Kraft erreichen können. HRZ Reisemobile bietet zwei behindertengerechte Wohnmobile an. Den Reha Camper 2 und den Reha Camper 2+, bei dem ein zusätzliches Bett für eine Begleitperson im Hochdach untergebracht ist. 

Draufsicht-Grundriss mit Text 'HRZ Reha Camper 2' und HRZ-Logo; blaues Bad links mit Toilette und Waschbecken, orange Bereiche für Bett und Schränke, Küchenzeile mit Spüle und Herd unten, zwei grüne Vordersitze rechts
Der Grundriss des Reha Camper 2 ist von freien Flächen geprägt. Dadurch erhalten Rullstuhlfahrer ausreichend Platz. © HRZ Reisemobile
Weißer Campingbus mit geöffneter Seitentür und Ausstiegstreppe, im Vordergrund eine Person im Rollstuhl, im Hintergrund Bäume und ein See
Behindertengerecht beginnt beim Einstieg. Das Reisemobil Reha Camper 2+ ist mit einem Lift ausgestattet, der Rollstuhlfahrern den Einstieg erleichtert. © HRZ Reisemobile
Person mit Kappe steigt von einem Rollstuhl in den Fahrersitz eines geparkten Lieferwagens; geöffnete Seitentür, Innenraum mit Schränken und Holzfußboden sichtbar
Der Reha Camper 2 lässt sich auch mit körperlicher Behinderung steuern. Der Einstieg auf den Fahrersitz erfolgt von hinten, dank ausreichend freier Fläche. © HRZ Reisemobile
Innenraum eines Wohnmobils, zwei Personen an einem Tisch, eine Person im Rollstuhl; Sitzbank links, Küchenzeile rechts, Holzfußboden und geöffnete Hecktür mit Außenblick
Der Innenraum des Reha Camper ist so gestaltet, dass Rollstuhlfahrer ausreichend Bewegungsfreiraum haben. © HRZ Reisemobile
Innenraum eines Fahrzeugs mit schwarzer Schlaffläche, seitlichen Schränken und Fenster mit Vorhang; vorn Sitze sichtbar; ein Mann sitzt auf der Schlaffläche, neben ihm liegt ein Hund
Die Seitensitzbank lässt sich zum Bett umbauen. So lassen sich Ess- und Schlafbereich kombinieren. © HRZ Reisemobile
Innenraum eines Wohnmobils: linke Küchenzeile mit Spüle und Herd, rechte lange Sitz-/Liegefläche unter Hängeschränken, Fenster und Wandfernseher, eine Person in schwarzem Oberteil und Jeans sitzt auf der Sitzfläche und hält eine an der Decke befestig
Dank an der Decke befestigter Haltegriffe, fällt körperlich beeinträchtigten Menschen die Bewegung leichter. © HRZ Reisemobile

Behindertengerechten Camper mieten

Barrierefreie Campingfahrzeuge lassen sich auch mieten. Auf diesem Wege können behinderte Menschen verhältnismäßig günstig in den Campingurlaub fahren. Etwa 150 Euro kostet ein behindertengerechtes Mietmobil pro Nacht .

Rollstuhlgerechte Wohnmobile lassen sich zum Beispiel bei der Firma Awomi mieten.Das Wohnmobil Awomi Sky besitzt ein 205 Zentimeter langes Einzelbett im Heck, das Rollstuhlfahrern einen leichten Einstieg ermöglicht. Optional lässt sich die Liegefläche auch zum Doppelbett erweitern. Ein Hubbett bietet zusätzliche Schlafplätze im vorderen Teil des Wohnmobils. Die extra breite Aufbautüre ist mit einem elektrischen Rollstuhllift mit 340 Kilo Tragkraft versehen. Der Grundriss ist so konzipiert, dass im Innenraum ausreichend Platz für einen Rollstuhl bleibt.

Top‑Ansicht Grundriss eines Campervans mit Fahrerkabine (zwei Vordersitze), Tisch mit Sitzbank, Küchenzeile mit Spüle und Kochfeld, Einzelbett, WC, Schränken und seitlicher Eingangstür
Das Wohnmobil Awomi Sky bietet viel Platz, damit sich Rollstuhlfahrer drehen und bewegen können. © Awomi
Person im Rollstuhl auf Plattformlift neben geöffneter Tür eines Wohnmobils
Das Wohnmobil Awomi Sky bietet viel Platz, damit sich Rollstuhlfahrer drehen und bewegen können. © Awomi
Innenraum eines Wohnmobils mit Sitzbank, Küchenzeile (Spüle, Kochfeld), Fenstern, Oberschränken und offener Toilette mit Vorhang
Der Innenraum ist so gestaltet, dass man sich mit Rollstuhl im Wohnmobil bewegen kann. © Awomi
Runde weiße Toilette auf grauem Boden, rechts ein roter Feuerlöscher, links ein klappbares weißes Waschbecken unter einem kleinen rechteckigen Fenster mit schwarzem Rahmen
Im Bad befindet sich ein platzsparendes Klappwaschbecken. © Awomi
Innenraum eines Wohnmobils mit zwei Vordersitzen, einem kleinen Tisch dazwischen, einer Küchenarbeitsplatte mit rundem Kochfeld links, Stufen rechts und Vorhängen an den Fenstern
Auf eine seitliche Sitzbank wird beim Awomi Sky bewusst verzichtet. Somit bleibt mehr Platz für den Rollstuhl. © Awomi

Fazit: Campingurlaub eignet sich für jeden

Camping ermöglicht individuellen Urlaub für Menschen mit Beeinträchtigungen. Behindertengerechte und barrierefreie Campingplätze gibt es mehr, als man vielleicht denken würde. Leider ist eine entsprechende Ausstattung in Campingführern und auch auf den Internetseiten der Campingplätze nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Kennzeichnungssysteme wie "Reisen für Alle" sind ein guter Ansatz, Barrierefreiheit stärker zu bewerben.

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